Markus Brillert - Lyrik und Malerei

Kurzgeschichten

Mein Leben mit Bronko

Mein Leben mit Bronko

Ich spaziere durch den Park. Ein bulliger Mittvierziger mit Schnauzbart und grimmigen Blick schreitet mir entgegen. Sein Hund ist dunkelbraun und groß, sehr groß. Und er schaut ebenfalls sehr grimmig in die Welt. Sein Name steht in breiter Schrift auf dem Halsband. Bronko! Da weis Mensch gleich Bescheid. Ich werde ihn nicht darauf hinweisen, dass seine soeben ins Gras geworfene Zigarette in den Mülleimer gehört. Wer seinen Hund Bronko nennt, will keine Belehrungen über Umweltschutz hören.

Im Geiste sehen ich Dackel. Er gehört mir. „Bronko bei Fuß!“, höre ich mich im Park rufen. Bronko! Der Name ist fantastisch. Ich überlege ernsthaft, mir einen Dackel anzuschaffen, nur um ihn Bronko nennen zu können. Ein gigantischer Spaß! Bronko und sein Herrchen sind weitergezogen. Ich schwelge in euphorischen Hundebesitzerträumen voll Sonnenschein, Butterblumen und Zweisamkeit, jäh unterbrochen vom unangekündigten Herbstregen mit extra großen Tropfen. Bronko und ich müssten auch im Herbst und Winter drei Mal am Tag vor die Türe, bei Regen, Eis und Schnee. Hinaus ins nicht mehr Grüne, ins Graue. Bronko würde Mülleimer, Bäume und Parkbänke markieren, sprich anpinkeln und am Hinterteil anderer Hunde riechen und jene auch abschlecken. Ekelhaft. Ich beobachte oft Hunde. Ich weiß, dass es so ist. Sagen sie nicht, es stimmt nicht.

Und während die Hunde sich begatten oder anbellen, müsste ich mit den Frauchen und Herrchen zermürbend langweilige Gespräche über ihre Terrier, Bulldoggen und weis nicht was für Vierbeiner führen. Mir vergeht die Hundelust so schnell, wie sie gekommen war. Mein Dackel Bronko ist Geschichte. Aber der Name bleibt in meinem Gedächtnis. Hat sich festgesetzt. Eingenistet wie Stammtrinker in der Eckkneipe, die noch ein letztes und noch ein allerletztes Bier nach dem Last Order Call bestellen. Ich könnte eine Eckkneipe eröffnen. „Bronko´s Eck“. Mit falschem Apostroph. Nein. Bin zu alt. Ich habe eine bessere, gerade zu geniale Idee.


Meine Hausspinne im Bad werde ich Bronko taufen. Sie ist fleißig, arbeitet an immer neuen filigranen Netzen am Toilettenabflussrohr und dem Lüftungsschacht. Sie hat definitiv einen Namen verdient, Gassi und Leinenzwang sind auch nicht nötig. Fantastisch.

Und im Grunde hat sie viel mit Hunden gemein. Sie hört nicht auf das, was ich ihr sage. Vielmehr ist sie eine ganz unerzogene, anarchische Hausspinne, die sich von niemandem etwas vorschreiben lässt. Hey Bronko altes Haus, wie läuft´s? Was im Netz heute? So macht wenigstens das Putzen ein kleines bisschen mehr Spaß. Ach ja, falls Sie einen niedlichen Dackel namens Bronko haben, von mir aus könnte er auch Waltraut oder Manfred heißen, ich würde ihn zur Leihe nehmen und zwei bis drei Mal im Jahr für ein Stündchen mit ihm bei Sonnenschein durch den Park spazieren.

Ich höre mich rufen: „Bronko, kommst du her, jetzt!“, "Waltraut bei Fuss!“, „Manfred, neeeeein, Pfui!, "Brooonko!"

(c) Markus Brillert / VG Wort